DVD-Tipp: Stirb Langsam 4.0
"Au Schweinebacke!"
Sie wollen es noch mal wissen: Harrison Ford dreht zur Zeit "Indiana Jones 4", Sylvester Stallone mimt mit 61 ein weiteres Mal John Rambo und Bruce Willis ist noch lange kein altes Eisen, wie "Stirb Langsam 4.0" eindrucksvoll beweist.
Während John McClane noch mit seiner Tochter über deren Nicht-Freund diskutiert, erhält er den wenig spektakulären Job, den jungen Computerhacker Matthew Farrell zur FBI-Zentrale zu überführen. Doch so langweilig wie vermutet ist der Auftrag dann doch nicht, denn kaum ist McClane bei dem Typen, wird dieser von maschinengewehrbewaffneten Bösewichten heimgesucht.
Fortan bekommt es das ungleiche Team mit dem Computerterroristen Thomas Gabriel zu tun, der mal im Dienste der Regierung stand und alles daran setzt, die USA auf elektronischem Wege kollabieren zu lassen. Dass er dabei natürlich keine potentiellen Gegner wie den Hacker Farrell brauchen kann, dürfte klar sein. Aber da ist ja auch noch der Typ, der immer zur falschen Zeit am falschen Ort ist...
Yippie-Ya-Yeah Schweinebacke, Bruce Willis is back! Und im Gegensatz zu einigen der diesjährigen Kinosequels macht "Stirb Langsam 4.0" fast uneingeschränkt Spaß. Die vielen Anspielungen auf den altmodischen Cop McClane, die der hibbelige Hacker Farrrell fallen lässt, machen den Film fast zu einem klassischen Buddy Movie, und das Tempo ist von Beginn an sehr hoch.
Dabei steigern sich die Actionszenen von Verfolgungsjagden im Tunnel über Autos in Aufzugsschächten bis hin zum (etwas übertriebenen) Kampf zwischen einer Lockheed Martin F-35 und einem Freightliner-Truck - hier wird jedenfalls nicht lange gefackelt, und es werden auch keine Gefangenen gemacht, wenn McClane auf die Verwunderung Farrells: "Du hast gerade einen Helikopter mit einem Auto gekillt" nur lässig antwortet: "Ich hatte keine Munition mehr".
Zwar ist das Ganze irgendwie ziemlich unlogisch, aber wer von einem Film der "Stirb Langsam"-Reihe schlüssige Logik erwartet, hat den Sinn der Sache eh nicht verstanden. Abschließend sei noch erwähnt, dass die Kampfszene zwischen McClane und einem der Schergen Gabriels im Inneren der Kühltürme schon fast an die Eröffnungssequenz des letzten Bond-Streifens herankommt - atemberaubend.
Bild und Ton
Beim Bild überwiegen kühle Blau- und Grautöne, es unterliegt einer beständigen Farbfilterung. Die dynamischen Kameraeinstellungen haben zur Folge, dass Gesichter und Details oft nicht ganz scharf sind, an anderer Stelle jedoch extrem plastisch wirken. Ein dezentes Rauschen verschafft "Stirb Langsam 4.0" einen sehr filmischen Look, die Kompressionsartefakte auf dem Haus der Uni müssten jedoch nicht sein (6’20). Hervorragend dagegen ist der Schwarzwert, der absolut satt und tief ist. Beim Ton schlägt die Stunde der DVD: Von Beginn an lässt dieser keinen Zweifel an permanentem Effektereichtum, wenn das Klicken und Zischen der Computer und Monitore sich auf allen Speakern verteilt. So munter geht es weiter, egal ob Schusssalven und Querschläger (11’15 / 37’00), die überall im Heimkino einschlagen, die Gasexplosion, die immens Druck macht (ab 73’00), oder die Seile im Aufzugsschacht, die bedrohliche Spannungsgeräusche von sich geben. Der dynamische Score und die ausgewogen abgemischten Dialoge tun ihr Übriges für einen fast perfekten Tonsektor.
Extras
Da uns bis zum Redaktionsschluss lediglich die Single-Disk zur Verfügung stand, belaufen sich die Extras auf einen sehr unterhaltsamen Audiokommentar der Herren Willis, Wiseman und des Cutters Niolas de Toth, die sich viel über Beschränkungen des Vokabulars und der grafischen Gewalt sowie über die technischen Aspekte des Films unterhalten. Dazu gesellen sich vier geschnittene oder erweiterte Szenen, ein Musikvideo und ein Blick hinter die Kulissen mit der Band Guyz Nite sowie die witzigen Pannen vom Dreh (man beachte die nicht arretierte Mülltonne).
Fazit
Wer hätte dem 52-jährigen Bruce zugetraut, dass er noch derart rasant und ohne Rücksicht auf Verluste seinen Spaß an der Rolle John McClanes haben würde? Zwar wirkt das Ende von "Stirb Langsam 4.0" arg übertrieben, aber der Unterhaltungsfaktor ist hoch und vor allem der Ton der DVD über jeden Zweifel erhaben.
Timo Wolters
- 22.01.2008
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